Grenze-Dreiländereck-Skulptur
Gestern war ich wieder nach langer Zeit in Basel, dort, wo der Rhein von der Schweiz Abschied nimmt. Hier steht die hässliche Skulptur mit drei spitz gewundenen Flügeln, die in die Höhe stechen. Ich war schon mal hier, erinnerte ich mich, genau vor 55 Jahren mit unserem Primarlehrer. Ich lief damals um die Skulptur herum und war im Glauben, dass ich auf meiner Schulreise drei Länder besucht hätte. Doch seit gestern weiss ich es besser. Ein Fährmann, den wir trafen, klärte uns auf. Die richtige Grenze läge nicht hier, sondern da drüben, und er zeigte mit ausgestrecktem Arm Richtung französichem Ufer. Ich frage mich nun im Nachhinein, ob es da drüben in Frankreich und Deutschland weitere solche Fake-Grenzskulpturen gibt, wo ebenfalls Schulkinder und Touristen darum herum gehen können.
Die Faszination von exponierten Landschaftspunkten
Warum besuchen Menschen gerne Grenzorte, Bergspitzen, heilige Orte oder zum Beispiel das Nordkap? Vor mehr als 20 Jahren gab es auf unserer Reise mit der Hurtigruten ein ziemlich teures Bootsausflug zu diesen Felsen. Ich sah keinen Grund, weshalb ich den besuchen sollte. Das Wetter war neblig und kalt. Was soll ich auf einem einsamen Feld tun? Und wer garantiert mir, dass es da nicht noch weitere Felsen gibt, die noch nördlicher liegen, zum Beispiel die Spitzbergen? Ich bin jemand, der alles immer ein wenig hinterfragt, vor allem wenn man von mir dafür etwas verlangt.
Grenzen überschreiten ist gefährlich
Bis vor 150 Jahren wagten sich Menschen kaum aus ihre nächsten Umgebung. Draussen war es gefährlich. Man fürchtete sich vor allem, sei es vor Wegelagerern oder Geistern, die auf hohen Bergspitzen und Schluchten hausten. Menschen blieben im vertrauten familiären Kreis. Ab und zu besuchte man vielleicht das Nachbarsdorf und lernte dort den künftigen Ehepartner kennen.
Grenzen überschreiten bringt dich weiter
Wie man oben liest, kann die Überschreitung von räumlichen Grenzen Gewinn und Glück bringen, aber im schlimmsten Fall auch den Tod. Doch ohne grenzüberschreitenden Austausch würde keine Entwicklung stattfinden. Das gilt sowohl für das Denken als für das Handeln. Gesunde Babys und Kinder lernen mit zunehmendem Alter und Geschicklichkeit, ihren Kreis zu erweitern und erforschen neugierig ihr weitere Umgebung. Sie probieren Dinge aus, die gefährlich sind. Das Risiko begleitet uns durch das ganze Leben. Man denke an die Händler, die Schausteller, die Söldner, die Entdecker oder die Missionare. Sie suchten das Neue und trachteten wohl ab und zu auch nach Ehre und Einfluss.
Die Überwindung von eigenen Grenzen bringt dich weiter
Jeder Mensch soll seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit entsprechend wachsen dürfen und zwar dorthin, wo er möchte und nicht etwa dorthin, wo ihn die Gesellschaft haben möchte. Ich denke hier auch an das stille aufgezwungene «Lernen» und „Erziehen“ (wook-Bewegung). Natürlich sollen wir darauf achten, dass wir unseren Mitmenschen kein Leid zufügen. Der von Kant aufgestellte kategorischer Imperativ soll unser Handeln leiten. Religionen, aber auch politische Parteien möchten unser Denken und Fühlen beeinflussen. Wir müssen wach und kritsch bleiben.