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Habe ich ein Talent?

Habe ich ein Talent?

Manche Menschen haben ganz besondere Talente. Vielleicht haben wir es alle und wissen es nur nicht. Ich war zum Beispiel nie schlecht im Ausdauersport und konnte Kilometer um Kilometer laufen. Auch im Mannschaftsspiel wurde ich immer etwa als vierter vom Teamleder gewählt. Die kleineren Buben, wie zum Beispiel Toni, wurde meist immer am Schluss gewählt. Vermutlich ist das heute mit der woke-Bewegung verboten, weil es diskriminierend ist. Denn was kann Toni schon dafür, dass er so klein ist oder Sherife, dass sie im Alter von zwölf bereits 80 Kilo wiegt.

Nun komme ich zum eigentlichen Anstoß hier zu schreiben. Eine Facebook Freundin hat kürzlich ihr Drama geschildert, wie sie versuchte im Tennis besser zu werden und dass es ihr einfach nicht gelingt. Sie ist inzwischen wie ich 60+. Man möchte doch einfach nur dazuzugehören, schreibt sie, und in den Club aufgenommen werden. Aber eben, wenn es trotz größter Disziplin und Anstrengungen einfach nicht gelingen mag, was macht man dann? Vielleicht wäre Golf besser, kam mir der Gedanke? Dort kann jeder mitmachen, wenn man einmal die Platzreife mit Disziplin geschafft hat. Natürlich muss man auch genügend Geld in der Tasche haben und sich anständig zu benehmen wissen. Man beginnt mit einem Handicap und verliert es bis zum Meister nie. Jeder hat ein Handicap. Ist doch irgendwie schön.

Ich habe mehrere Disziplinen, wo ich versucht habe, gut zu werden. Als Erstklässler begann ich mit dem Flötenspiel. Meine Mutter gab mir dazu ihre ausgeleierte Blockflöte mit in den Musik-Unterricht. Es lag nicht an der Flöte, dass aus mir kein Star wurde. Meine Fingerchen waren einfach dazu nicht fähig. Sie waren irgendwie zu spastisch und schafften es nicht die Löchlein mit gestreckten Fingern abzudecken. Die Musiklehrerin war meine Primarlehrerin, was sie lieber hätte sein lassen. Sie hatte streng hoch gestecktes Haar und war nicht zufrieden mit mir. Ich selbst glaubte, dass ich himmlische Töne von mir gab und war ganz entzückt. Und es war umso vernichtender, als sie mir in der vierten Lektion deutlich vor der der Gruppe sagte, dass ich künftig doch zu Hause bleiben solle. Ich gehörte nicht mehr dazu und durfte künftig nur noch den Dreiangel spielen, aber eben nicht mehr im auserwählten Grüppchen, der braven talentierten. Der Dreiangel stört die schöne Harmonie weniger.

Fräulein Flach war eine sehr junge und ungeduldige Lehrerin. Und immer, wenn ein Kind ihren präsentierten Lernstoff nicht sofort begriff, stampfte sie mit ihrem rechten dünnen Bein auf den Boden, vor allem bei Lilli, wenn sie die Rechenaufgabe nicht begriff. Sie musste dann jeweils nach vorne zur Lehrerin vor die Schiefertafel, um die Rechnung Schritt für Schritt nochmals durchzugehen. Dabei hämmerte sie mit der Hand an die Tafel, als wollte sie es ihr in ihr Köpfchen einhämmern. Es nützte nichts. Lilli wurde nicht besser im Rechnen und ich kann bis heute noch nicht Flöte spielen. Dafür war Lilli die hübscheste im ganzen Schulhaus, konnte gut zeichnen und hat als ersten einen Mann gefunden.

Ich habe noch mehrere andere Schwächen. Eine davon ist das Tanzen. Ich meine, das richtige Tanzen, wie zum Beispiel Tango oder Salsa, nicht Disco-Dance. Als ADHS-ler wird mir das nie gelingen, weil mir immer wieder spontane Gedanken in den Sinn kommen, die die Regel-Schrittfolge stören. Auch das Fremdsprachenlernen gehört zu meinen Schwächen. Ich bin auf dem Niveau «Excusez-moi, je ne parle français » stehen geblieben. Ich hätte zwar auch noch den Kurzsatz « Je t’aime » draufgehabt, doch ich begegnete leider nie einer Französin.

Mit 50 nahm ich nochmals einen Anfang und begann Spanisch zu lernen, und zwar fleißig und diszipliniert. Ich erreichte knapp B1.  Doch mir fehlt einfach das musikalische Gehör, um es je wirklich gut hinzukriegen. Trotzdem getraue ich mich mit Fremden Spanisch zu quatschen und ergänze es mit meiner fantasievollen Gestik. So verstehen mich die meisten ziemlich gut und es entstehen darüber hinaus sogar noch unerwartete Freundschaften. Vielleicht deshalb, weil ich es nicht gut kann und lustig bin. Unsere Bundesrätin Karin Keller Sutter kann perfekt Englisch, vermutlich viel besser als Donald und ist zudem in hohem Grad unlustig. Sie ist studierte Dolmetscherin und hat ihm wohl in feinstem British English die Schweiz erklären wollen. Sie hatte nicht wirklich Erfolg, wie wir alle wissen.

Nutze also dein Talent, wo du es wirklich hast. Vielleicht ist ja das Golfspiel. Aber etwas viel wichtiger ist es dein Talent in der richtigen Situation und im richtigen Setting geschickt einzusetzen.